Standing Ovations für die Kinderoper „Die Kaulquappenprinzessin“

Lokales aus der Prignitz (Text und Bilder, Fabian Lehmann)

Drei Jahre Arbeit stecken in der internationalen Kinderoper „Die Kaulquappenprinzessin“, die nun am Freitag uraufgeführt wurde. Das Publikum im Wittenberger Festspielhaus zeigte sich begeistert.

Laura Stolle singt: „Life isn’t fair“.

WITTENBERGE | Man sagt das so: Manche Dinge sind zu schön, um wahr zu sein. Auf die dreijährige Produktion der Oper „The Tadpole Princess“ (Die Kaulquappenprinzessin) trifft dieser Satz leider zu. Fünf Schulen aus Spanien, Frankreich, Griechenland, Tschechien und Deutschland haben seit 2018 an der Umsetzung des Musiktheaterstücks gearbeitet, Der Aufführungstermin am 6. Juni 2020 stand bereits. Allein die Coronapandemie machte die Umsetzung unmöglich.

Ein Vorhaben also, dass zu schön ist, um Realität zu werden? Einerseits ja. Aber nur einerseits. Denn was am Freitag auf der Bühne des Festspielhauses in Wittenberge geboten wurde, war mehr als nur ein Auszug aus der eigentlich geplanten Oper, mehr als eine „Coronaalternative“. Es war beeindruckend und es rührte zu Herzen.

Opernlogo

Nur wenige Tage blieben für die Proben

Der Abend, möglich gemacht durch die Finanzierung der Europäischen Kommission als Erasmus+ Projekt, war zweigeteilt. Die erste Hälfte galt dem Schülerchor unter der Leitung der Montessorilehrerin Birgit Bockler. Der Chor setzte sich zusammen aus den Wittenberger Schülerinnen und sechs tschechischen Schülerinnen und Schülern aus Mnichovice. Sie sangen das Eröffnungsstück: „It’s a fine, fine day“. Sie sangen es aus einer Stimme. „Engelsgleich“ ist eine Beschreibung, die sich eigentlich verbietet. Hier passt sie.

Mädchen und Jungen von der Montessori Schule Mozaica aus Mnichovice in Tschechien und der Montessori Schule Wittenberge beim Auftritt

Dass es den 25 Schülerinnen und Schülern, Birgit Bockler und dem Komponisten John C. Murray aus dem englischen Hull innerhalb weniger Tage gelungen ist, die Stücke bühnenreif einzuproben, ist beachtlich. Zugleich ist es ein stimmiges Zeichen für eine hoffnungsvolle europäische Zukunft.

Nora Mittermaier als Simten
„I have a voice!“

Schlicht und auf das Wesentliche reduziert ist die Darbietung auf der Bühne. Die visuelle und spielerische Opulenz der Oper fehlt. So konzentriert sich alles auf den Gesang, begleitet vom Klavierspiel Murrays, darunter auch wunderbar dargebotene Solonummern zweier Schülerinnen. Am Ende wird der ganze Saal stehen und ausdauernd applaudieren.

Der Teich bleibt

Der zweite Teil des Abends gilt dem 45-minütigen Stop-Motion-Film. Angelegt, um die Oper wenn nicht auf der Bühne, so in filmischer Umsetzung zu realisieren, erzählt er die Geschichte der Kaulquappenprinzessin Simten mithilfe von Playmobilfiguren. An diesem Film hatten sich vier Schulen beteiligt, steuerten jeweils einen Teil bei. Mit viel Liebe und Detailversessenheit wurden da Landschaften aus Pappe und Knete entworfen, in denen sich die Figuren bewegten.

„Simply Mr. Big“

In den besten Momenten gelang es tatsächlich, den Plastefiguren Leben einzugeben, während die Stimmen der Kinder die Geschichte wiedergaben. Die Geschichte des aristokratischen Mr. Big, dem Unternehmer, dessen einziges Streben dem Profit gilt. Der den Teich, den Simten so lieb gewonnen hat, zum Bauland erklären will. Es wird ihm nicht gelingen. Und am Ende triumphiert erneut der Chor, stimmt auf der Bühne das Finale an: „I have a voice“, ich habe eine Stimme. Und ich werde sie nutzen.

„Simten als Heldin am Kaulquappenteich“

Komponist zu Tränen gerührt

Der elfjährige Vaclav aus Tschechien ist einer der zwei Jungen, die an dem Abend auf der Bühne stehen. Er ist das erste Mal in Deutschland und natürlich sei er nervös gewesen. „Aber er war so motiviert, wollte immer noch mehr proben“, beteuert seine Lehrerin – auch sie Teil des Chors – Pavla Ludvikova. Zu Tränen gerührt ist an diesem Abend John Murray, der eine vollständige Oper komponiert und das Libretto geschrieben hat. Als er sich dafür bedankt, dass die Kinder seinen Traum verwirklicht hätten, zittert seine Stimme. Gegenüber unserer Zeitung wird er später beteuern, dass die Stimmen der Kinder exakt dem entsprachen, was er sich ausgemalt hatte. „Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist. Es war surreal, kraftvoll.“

John Murray mit den Chorteilnehmerinnen Klara Laskewitz und Nora Mittermaier

Ein würdiger Abschied auch für Birgit Bockler. Nach sieben Jahren an der Wittenberger Montessorischule legt sie nun ihre Arbeit nieder. Gefragt nach ihrem Erfolgsrezept für die Verschmelzung der tschechischen und deutschen Schüler zu einem Chor, einer Stimme, sagt sie: „Ein bisschen Magic ist es immer.“

Pavla Ludvikova und Birgit Bockler (Chorleiterinnen) Peter Awe

Dieses Projekt wurde durch die Europäische Union gefördert.

MONTESSORI SCHOOL WITTENBERGE
Standing ovation for the children’s opera „The Tadpole Princess“.

Three years of work went into the international children’s opera „The Tadpole Princess“, which was now premiered on Friday. The audience in the Wittenberg Festspielhaus was enthusiastic. It is said that some things are too good to be true. Unfortunately, this sentence applies to the three-year production of the opera „The Tadpole Princess“. Five schools from Spain, France, Greece, the Czech Republic and Germany have been working on the musical theatre piece since 2018, and the performance date of 6 June 2020 has already been set. Only the corona pandemic made the realisation impossible. So this is a project that is too good to be true? On the one hand, yes. But only on the one hand. Because what was presented on Friday on the stage of the Festspielhaus in Wittenberge was more than just an excerpt from the actually planned opera, more than a „Corona alternative“. It was impressive and touched the heart.Only a few days remained for rehearsalsThe evening, made possible by funding from the European Commission as an Erasmus+ project, was divided into two parts. The first half was dedicated to the student choir under the direction of Montessori teacher Birgit Bockler. The choir was made up of the Wittenberg pupils and six Czech pupils from Mnichovice. They sang the opening piece: „It’s a fine, fine day“. They sang it from one voice. „Angelic“ is a description that is not really appropriate. Here it fits.It is remarkable that the 25 pupils, Birgit Bockler and the composer John C. Murray from Hull, England, managed to rehearse the pieces ready for the stage within a few days. At the same time, it is a coherent sign of a hopeful European future.The performance on stage is simple and reduced to the essentials. The visual and playful opulence of the opera is missing. So everything is concentrated on the singing, accompanied by Murray’s piano playing, including wonderfully performed solo numbers by two schoolgirls. At the end, the whole auditorium will stand and applaud enduringly.The second part of the evening is devoted to the 45-minute stop-motion film. Created to realise the opera, if not on stage, then on film, it tells the story of the tadpole princess Simten with the help of Playmobil figures. Four schools participated in this film, each contributing a part. With a lot of love and attention to detail, landscapes were created out of cardboard and plasticine in which the figures moved. In the best moments, they actually managed to give life to the plastic figures, while the children’s voices echoed the story. The story of the aristocratic Mr. Big, the entrepreneur whose only pursuit is profit. He wants to declare the pond that Simten has grown so fond of as building land. He will not succeed. And in the end, the chorus triumphs again, intones the finale on stage: „I have a voice“, I have a voice. And I will use it. Eleven-year-old Vaclav from the Czech Republic is one of the two boys on stage that evening. This is his first time in Germany and of course he was nervous, he says. „But he was so motivated, always wanted to rehearse more,“ affirms his teacher – also part of the choir – Pavla Ludvikova. John Murray, who composed a complete opera and wrote the libretto, was moved to tears that evening. When he thanks the children for making his dream come true, his voice trembles.
He will later affirm to our newspaper that the children’s voices were exactly what he had imagined. „I didn’t think that was possible. It was surreal, powerful.“ A dignified farewell also for Birgit Bockler. After seven years at the Montessori School in Wittenberge, she is now laying down her work. Asked about her recipe for success in merging the Czech and German pupils into one choir, one voice, she says: „There’s always a bit of magic.“

1 Comment

  1. Das Projekt ist eine richtig große und tolle Sache. Dass die Präsentation coronabedingt so stattfinden musste, tat der Qualität keinen Abbruch. Der Film zeigte die Vielfalt der Interpretationen und Möglichkeiten.
    Absolut beeindruckend war der musikalische Teil mit dem Chor. Komponist, Chorleiterin und jedes einzelne Mitglied gaben ihr Bestes. Es klang einfach wunderbar und berührte alle Herzen. Vielen Dank dafür.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s